Corona: Der eigentliche Skandal

Ist schon okay, denke ich mir, wenn da ein neues, offenbar gefährliches Virus auftaucht, und zunächst alle Schotten dichtgemacht werden. Schließlich weiß man noch nicht, wie man damit umgehen soll. Natürlich muss die Gesundheit der Menschen immer Vorrang haben.

Wenn dann sämtliche Freizeitaktivitäten für Senioren eingestellt werden und Selbsthilfegruppen für psychische Probleme oder in der Suchtarbeit zunächst schließen – geschenkt.

Es geht dem Hamburger Senat also um die Gesundheit seiner Bürger. Dann soll er mir doch bitte erklären, Warum Restaurants und Kneipen 5 Wochen (13.05.2020, siehe Schankwirtschaften) vor den Selbsthilfegruppen (15.06.2020) aufmachen dürfen. Geht es jetzt plötzlich doch nur ums Geld?

Während sich die Leute also schon längst in den Kneipen unter den Barhockern rekeln und sich auf der Reeperbahn oder beim Cornern reihenweise in die Arme fallen, dürfen Depressive oder Suchtkranke erstmal 5 Wochen warten, bis sie sich in einigen wenigen wiedereröffneten Gruppen unter klinischen Bedingungen mit Maske wieder treffen dürfen. Senioren verschimmeln weiter zu Hause, während ihre erwachsenen Kinder längst auf Malle den Ballermann feiern.

Vor lauter Rücksichtnahme auf Wirtschaft und Bevölkerung nimmt die häusliche Gewalt rasant zu, Menschen vereinsamen zunehmend, psychische Krankheiten werden immer schlimmer, das Leben sehr vieler Menschen geht geradezu den Bach runter. Wie kann man Hilfsangebote für diese Menschen einfach einstellen? Hier geht es doch genau so um die Gesundheit!

Was ist wohl ansteckender: Das wöchentliche Senioren-Bingo im Bürgerhaus oder der Freitagabend in der Eckkneipe bei Musik aus der Jukebox? Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe für Angststörungen oder Party feiern im Elbschlosskeller (oder halt im Hofbräuhaus)?

Wenn es euch wirklich um die Gesundheit gefährdeter Menschen ginge, dann würdet ihr unter gar keinen Umständen die Selbsthilfe- und Freizeitangebote für diese Menschen einschränken, sondern eher erst einmal die Gastronomie dichtmachen. Na schön, macht in den Kneipen einen drauf und cornert euch dicht, aber dann macht es den Menschen nicht noch schwerer, die von vornherein schon jeden Tag zu kämpfen haben.

Wer die letzte Zeit mal in die Morgenpost oder die Bild geschaut hat, konnte immer schön auf Doppelseite lesen, wie die armen Gastronomen unter Corona leiden. Echt eindrucksvoll, wie es die Gastronomie schafft, sich in den Vordergrund zu drängeln, als gäbe es keine anderen Branchen oder Betroffenen. Jedenfalls weiß man dann, wer hier die einflussreichere Lobby hat. Alte oder einsame Menschen, psychisch Kranke, von Gewalt Betroffene und viele Andere haben sie jedenfalls nicht.

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